Mittags: Suppe

Wieder einer dieser Dienstage. Zum Fruehstueck gab es das Übliche - Griessbrei oder Lehben, Yogurt mit weniger Fett, oder beides. Die meisten Essen beides - dazu Tabletten und dieses Vitaminersatzzeug mit Eiskaffegeschmack. Er fragt ob ich auch mal probieren möchte - Es schmecke wircklich gut. Vielen Dank, ich mag Kaffee nicht besonders. Das ist sogar nicht gelogen. Vielleicht schmeckt es wircklich, riechen tut zumindest so. Seinen Koffein-Vitamincoktail, will ich ihm aber nicht wegtrinken.
Ihm geht es heute gut.
Zum Mittag gibt es Suppe. Mit Schwammerln, wie man hier in Oesterreichisch sagt. Mit Pitiot, wie man hier in Hebraisch sagt. Die Suppe schmeckt ihm nicht. "Ist die Koechin verliebt?", fragt er mich. Zuviel Salz.
Eine Schwester stellt eine Tasse mit Suppe auf den Tresen. Dort bleibt sie stehen.
Am Abend: Brot mit gelbem Kaese. Die Suppe steht immer noch da. "Warum sie da wohl steht?" , frage ich. "Vielleicht wollen sie uns damit ertraenken", sagt er. Nein das glaube ich nicht. Nicht geeignet. Die Wahrscheinlichkeit strebt stark gegen Null - er lacht.

Die Frau gegenueber sagt sie moechte sterben. Vielleicht ist es in einer anderen Welt schöner. "Sowas soll man nicht sagen", sage ich. Aber es ist doch die Wahrheit und man solle nicht lügen, sagt sie.

Warum die Suppe auf den Tresen gestellt wurde, werden wir wohl nie erfahren. Vielleicht auch gut so. Sie steht dort aus einem Grund. Aus vielen. Jeder sucht seinen Eigenen.

Ist die Wahrheit wichtig, relevant?
Ist das Ungewisse schoener?
Darf man das sagen?
Darf man fragen?